Brot, Bananen, DSL…
Die Geschichte wiederholt sich täglich in ganz Deutschland: Herr Müller, der eigentlich nur noch ein paar Sachen für das bevorstehende Wochenende einkaufen wollte, wird an einem Infostand von einem sympathischen jungen Mann angesprochen.
Es geht um DSL und ob Herr Müller nicht auch einen schnellen Internetanschluss wollte. Und in der Tat hat sich Herr Müller schon oft über den langsamen Aufbau der Seiten geärgert.
‘Die Telefonkosten sind auch enthalten - Sie brauchen nichts weiter zu zahlen’ - verkündet der junge Mann weiter.
Das macht Herrn Müller nun neugierig, er stellt seine Einkaufstaschen ab und vernimmt eine Lobpreisung über die Innovationen der neuen Technik.
Da ist von DSL mit einer Geschwindigkeit von 16.000 Kbit pro Sekunde die Rede, fast 286 mal schneller als sein analoges Modem. Damit kann man dann auch Filme anschauen, sogar auf dem Fernseher. ‘Das ist alles in dem Paket mit drin, für nur 20€ im Monat’ ‘Dazu noch eine Flatrate, nie mehr auf den Gebührenzähler achten’ - Herr Müller kommt allmählich ins Grübeln. Zahlt er nicht Monat für Monat allein 16€ Grundgebühr für sein Telefon, plus durchschnittlich 10€ für die Gespräche und nochmal 10€ für das Internet? Also rund 36€.
Als der Verkäufer nochmals darauf hinweist, dass man nun unbegrenzt telefonieren könne, verliert Herr Müller seine letzten Bedenken und unterschreibt den Vertrag.
Zu Hause erzählt er seiner Frau die guten Neuigkeiten und überlegt schon mal, was man mit dem gesparten Geld alles machen könnte. Monatlich 16€ gespart, da läppert sich über das Jahr ganz schön was zusammen und die schmale Rente reicht nicht für Extras.
Nachdem nun drei Wochen vergangen sind und Herr Müller außer einer Begrüßungs-E-Mail nichts mehr von seinem neuen Telefonanbieter gehört hat, kommt ein Päckchen an. Endlich, denkt sich Herr Müller und macht sich sogleich ans Werk.
Die Installation verläuft jedoch nicht nach Plan, keines der mitgelieferten Kabel will in seinen PC passen und der technisch versierte Enkel ist gerade abkömmlich.
Die teure Hotline des Anbieters beharrt aber darauf, dass alle Kabel passend mitgeliefert werden und zeigt sich eher genervt als hilfsbereit.
Das Fernsehgeschäft in der Querstraße freut sich jedoch über seinen Anruf und baut ihm, für nur 55€, eine Netzwerkkarte ein. “Mit seiner alten Modemkarte könne das ja nicht funktionieren!” - sagt der Techniker mit einem leichten Grinsen um die Mundwinkel herum. Herr Müller zahlt und spürt das erste mal so ein leichtes Drücken in der Magengegend - von einer Netzwerkkarte hat ihm niemand etwas gesagt.
Die folgenden Wochen vergehen, ohne das es Herrn Müllers Magen besser geht. Die Telefonqualität ist nicht so gut wie vorher und von 286facher Geschwindigkeit kann auch keine Rede sein.
Aber im Internet surfen macht jetzt richtig Spaß. Die Seiten sind im Nu aufgebaut, die E-Mail mit dem Foto vom Grillen schnell verschickt. Auch wenn es etwas länger dauert, wenn seine Frau gerade telefoniert.
Eines hat Herr Müller jedoch nicht verstanden - sein altes Faxgerät, mit dem er ab und an die Termine für die nächste Zusammenkunft seines Modellbauclubs verschickte, hat anscheint kurz nach der Umstellung den Geist aufgegeben.
Mit DSL ist die Benachrichtigung mittels E-Mail aber ebenso möglich, einfacher und auch zeitgemäßer.
Dann, etwa ein halbes Jahr nach der Umstellung, trifft es Herrn Müller wie der Blitz. Anstatt 20€ bucht der Anbieter nun rund 35 Euro ab. Auf Nachfrage, durch die kostenpflichtige Hotline, erfährt Herr Müller, dass die 20€ nur für sechs Monate gelten - ab jetzt sind 30€ fällig. Das ‘kostenlose’ Antiviren-Programm schlägt ab sofort mit 5€ zu Buche.
Der Infostand im Einkaufsmarkt war natürlich schon längst abgebaut, der betreffende Mitarbeiter nicht zu ermitteln. Dafür sind Gespräche mit der Hotline zu einem festen Bestandsteil von Herrn Müllers Telefonrechnung geworden.
Sofort hat er seinen Vertrag gekündigt. Nach etlichen Anrufen und vielen E-Mails bekam er dann endlich die Bestätigung, das er innerhalb der 24monatigen Mindestvertragslaufzeit fristgerecht kündigen könne.
Sonst verlängert sich die Vertragslaufzeit um weitere 12 Monate! Herr Müller greift zu seinen Magentabletten.
Nach einem Jahr ist der Neffe aus den USA zurück und hört sich mit gerunzelter Stirn die Leidensgeschichte seines Onkels an. Nachdem er sich einen Überblick verschafft hat erklärt er seinem Onkel, was da alles schief gelaufen ist:
Der höhere Preis ist korrekt, die Sache mit den sechs Monate ist in dem Verkaufsgespräch wohl nicht so ganz klar geworden.
Das Antiviren-Programm war nur ein halbes Jahr kostenlos, auch das hörte sich ganz anders an. Immerhin kann es schnell gekündigt werden
Am Anschluss von Herrn Müller geht DSL nur mit 1024 Kbit/s, was aber nicht anfechtbar ist. Der Tarif wird mit bis zu 16.000 Kbit/s beworben.
Aus diesem Grund ist auch die Telefonqualität nur mäßig, eigentlich wären mindestens 2048 Kbit/s nötig.
Mit dieser Geschwindigkeit haben die beworbenen Filme nicht die beste Qualität und neuere Filme kosten extra. Nur ein paar alte Schinken gibt es umsonst.
Das alte Faxgerät ist nicht defekt, es funktioniert nur nicht mit der neuen Technik. Herr Müller hat jetzt nämlich keinen analogen Anschluss mehr, sondern einen Anschluss mit Internet-Telefonie (VoIP).
Das Fazit dieser fiktiven, aber keines Wegs aus der Luft gegriffenen Geschichte ist klar:
Zwischen Brot und Bananen kann man keine ordentliche Beratung erwarten. Schon gar nicht, wenn der Ansprechpartner nach zwei Wochen verschwunden ist und sich somit nicht verantworten muss.
Wer sich für zwei Jahre an einen Vertrag bindet, sollte sich das in Ruhe überlegen und nicht überstürzt handeln. Ob im Einkaufsmarkt, beim Elektronik-Discounter oder an der Haustür, ‘fliegende Händler’ wollen nur das schnelle Geschäft.
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